August Wilhelm Antonius Graf Neidhardt von Gneisenau (1760-1831) war preußischer Generalfeldmarschall und Heeresreformer zur Zeit Napoleons.
Er erwarb sich nicht nur Ruhm als der bedeutender Heerführer in den Befreiungskriegen und Verteidiger Kolbergs im Jahre 1807, sondern ging in die deutsche Geschichte insbesondere als preußischer Heeresreformer ein.
Er hatte als Blüchers Stabschef wesentlichen Anteil am Sieg bei Waterloo 1815.
Als Mitarbeiter Steins und Hardenbergs, als enger Freund Scharnhorsts, hat Graf von Gneisenau in den preußischen Militärreformen nicht nur die Befreiung vorbereitet, sondern gerade auch die Richtung der weiteren Entwicklung bestimmt.

Gneisenau war wie fast alle großen preußischen Reformer kein Preuße. Er stammte aus dem sächsischen Schildau und durchlief die Offizierslaufbahn. Daneben nahm er regen Anteil an den in Europa sich vollziehenden Veränderungen. Er studierte Sprachen und Geschichte, war zeichnerisch begabt. Als Literat wurde er in seinem Denken und Fühlen durch seine persönlichen Kontakte zu Goethe, Bettina und Achim von Arnim, Clemens von Brentano und dem Bruderpaar von Humboldt stark beeinflußt.











                                          Bild im Besitz der Familie

Der Militärreformer
1807 beruft ihn König Friedrich Wilhelm III. in die Militär-Reorganisationskommission.
Im Bunde mit dem Vorsitzenden Gerhard v. Scharnhorst, der still und konsequent dem Befreiungskrieg entgegen arbeitete, Karl v. Grolmann, dem Staatsmann Heinrich Reichsfreiherr vom und zum Stein , Hermann v. Boyen und Carl v. Clausewitz entwickelt Gneisenau das Reformwerk zur Erneuerung der Armee und des Staates.
Die zahlreichen Denkschriften Gneisenaus zu den Themen Humanisierung des militärischen Dienstes, Abschaffung der entehrenden Strafen, Beachtung der Menschenwürde, Abschaffung des übertriebenen Paradedrills zugunsten des Felddienstes, Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (mit Landwehr und Landsturm), Errichtung einer Kriegsschule, Abschaffung der ständischen Vorrechte der Armee, Neuorganisation der Armee auf Grund der Erfahrungen der napoleonischen Kriege, Stellenbesetzung der Offiziere nach Leistung, werden von Friedrich Wilhelm oftmals als “Poesie” abgetan.
Bei der Errichtung der Kriegsakademie und der Bildung des Generalstabes war Gneisenau die treibende Kraft. Einen Generalstab moderner Prägung gab es damals nicht und wurde nun erst eingeführt. Sein Ruf als Militärstratege konnte sich mit dem Napoleons messen. Als Friedrich Wilhelm ihm zum zehnten Jahrestag der Schlacht von Belle-Alliance den Marschallstab überreichte, sagte er: “Habe Sie oft verkannt."

Nach dem großen Reformer wurden etliche Kriegsschiffe sowie zwei zivile Schiffe benannt, es gibt Straßen, Orte, Vereine und Firmen, Münzen und Briefmarken, die nach ihm benannt wurden.
Mehr über das Leben Gneisenaus gibt es unter Biographie, zu seiner Familie, zum Familiensitz Sommerschenburg und das dortige Mausoleum.